// Compliance · KI-VO · Aug 2026

EU AI Act für Makler.
Was bis August 2026 zu tun ist.

89 % der deutschen Versicherungsmakler kennen die Inhalte der KI-Verordnung nicht. Art. 4 läuft seit 15 Monaten, Art. 50 trifft dich in 85 Tagen. Hier steht, was konkret zu tun ist.

89 % der deutschen Versicherungsmakler kennen die Inhalte der EU-KI-Verordnung nicht. Art. 4 verpflichtet dich bereits seit dem 2. Februar 2025 zum KI-Kompetenz-Nachweis — das sind 15 Monate. Art. 50 trifft dich am 2. August 2026. 85 Tage. Hier steht, was konkret zu tun ist.

Du bist Betreiber — auch ohne eigene Softwareentwicklung

Die KI-VO unterscheidet drei Rollen: Anbieter (entwickelt KI-Systeme), Betreiber (setzt KI beruflich ein) und Endnutzer. Als Versicherungsmakler bist du fast immer Betreiber — auch wenn du nur Standardprodukte nutzt.

Konkrete Beispiele für Betreiber-Stellung:

  • ChatGPT für Angebotsentwürfe oder Kundenmails
  • Copilot in Microsoft 365
  • Ein Chatbot-Widget auf der Website für Erstanfragen
  • Makler-Software mit KI-gestützten Tarifvergleichs-Empfehlungen
// Art. 3 Nr. 4 KI-VO

Betreiber ist jede natürliche oder juristische Person, die ein KI-System unter eigener Verantwortung im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit einsetzt.

Das Entscheidende: Betreiber-Pflichten sind zusätzlich zur DSGVO — nicht stattdessen. Dein AVV mit OpenAI oder Anthropic löst deine KI-VO-Compliance nicht ab. Das sind zwei separate Rechtsebenen — DSGVO regelt Datenschutz, KI-VO regelt sicheren und transparenten KI-Einsatz.

Für ein 1–5-Personen-Büro bedeutet das drei operative Aufgaben: KI-Inventar erstellen, Schulungsnachweis führen und bei Chatbot-Einsatz eine Kennzeichnung anbringen. Kein externer Berater zwingend nötig für die Basisumsetzung. Zeitaufwand: ein halber Tag.

Art. 4 KI-VO: Die Schulungspflicht — seit Februar 2025 in Kraft

// Stand · 12.05.2026

Art. 4 KI-VO gilt seit dem 2. Februar 2025. Wer noch keine Maßnahmen ergriffen hat, ist 15 Monate im Rückstand.

Die Norm verpflichtet Betreiber sicherzustellen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt — gemessen an Einsatzkontext, Rolle und Risiken des jeweiligen Systems. Kein vorgeschriebenes Format, keine Mindeststundenzahl. Aber: Im Falle einer Prüfung durch die zuständige Marktaufsichtsbehörde — in Deutschland voraussichtlich die Bundesnetzagentur — muss der Nachweis vorgelegt werden können.

Was nicht ausreicht:

  • „Wir nutzen ChatGPT intern" ohne Dokumentation
  • Ein einmaliges Webinar ohne schriftlichen Nachweis

Was für ein KMU ausreicht:

  1. Schulungsregister — eine einfache Tabelle: Name, Datum, behandeltes KI-System, Dauer, Thema (Beispiel: „ChatGPT für Angebotstexte — Risiken bei Halluzinationen — 45 Min. — M. Müster, 14.03.2025")
  2. Interne KI-Leitlinie — eine Seite reicht: Welche Tools sind erlaubt? Wofür? Was ist verboten? Wer ist verantwortlich?
// Definition

„Kompetenz" bedeutet nicht Programmierkenntnis. Es bedeutet: Mitarbeiter wissen, was das Tool kann, was es nicht kann, und wie sie Fehler erkennen.

Zeitaufwand für ein 3-Personen-Büro: ~2 Stunden einmalig für Leitlinie + Schulungsregister. Danach: neuer Eintrag bei jedem neuen Tool oder neuem Mitarbeiter.

Art. 50 KI-VO: Was dein Chatbot dem Kunden ab August sagen muss

Art. 50 Abs. 1 KI-VO tritt am 2. August 2026 in Kraft. Die Norm verpflichtet Betreiber von KI-Dialogsystemen — Chatbots, Voicebots — Nutzer zu informieren, dass sie mit einem KI-System interagieren, sofern das nicht aus dem Kontext offensichtlich ist.

Wer ist betroffen:

  • Website-Chatbot für Erstanfragen, FAQ oder Terminbuchung
  • KI-gestützter WhatsApp-Assistent
  • Vollautomatische E-Mail-Antworten ohne menschliche Prüfung vor dem Versand

Was die Kennzeichnung leisten muss: Die KI-VO schreibt kein konkretes Format vor — aber die Information muss klar, verständlich und zu Beginn der Interaktion vorhanden sein.

Praxis-Formulierung:

„Du chattest mit einem KI-Assistenten. Für verbindliche Beratung wende dich an unser Team: +49 7251 …"

Was nicht ausreicht:

  • Nur ein kleines KI-Symbol ohne Erläuterung
  • Hinweis erst nach der ersten Nutzereingabe
  • Name „Lea" oder „Max" ohne Hinweis auf KI-Natur — ein menschlich klingender Name ist erlaubt, aber der KI-Charakter muss zu Beginn klar sein

Sanktionen bei Verstoß gegen Art. 50: Bis zu 7,5 Mio. Euro oder 1 % des weltweiten Jahresumsatzes — für KMU gilt der niedrigere Betrag. Bei einem Büro mit 300.000 € Jahresumsatz wären das rechnerisch 3.000 €. Relevant bei Wiederholungsverstößen oder aktiver Behördenprüfung.

// Wichtig

Auch bereits laufende Chatbot-Systeme müssen bis August 2026 nachgerüstet werden — kein Bestandsschutz für Alt-Deployments.

KI-Inventar — fünf Spalten, eine Tabelle

Bevor du schulst oder kennzeichnest, brauchst du den Überblick: Welche KI-Systeme setzt du tatsächlich ein?

Ein KI-Inventar für ein Makler-Büro ist keine 50-seitige Dokumentation. Es ist eine Tabelle:

Tool Einsatzzweck Kundendaten? Risikoklasse Verantwortlich
ChatGPT (OpenAI) Angebotstexte Nein Minimal M. Müster
Chatbot (Website) Erstanfragen Ja (Name, E-Mail) Begrenztes Risiko M. Müster
Copilot (Microsoft) E-Mail-Drafts Ja Begrenztes Risiko A. Schneider

Die Risikoklassifizierung folgt der KI-VO-Logik:

  • Minimal — keine direkte Nutzerinteraktion, keine Entscheidungsunterstützung mit personenbezogenen Daten
  • Begrenztes Risiko — direkter Kundenkontakt oder personenbezogene Daten → Art. 50 anwendbar
  • Hoch — Systeme, die Risikoeinschätzungen oder Kreditwürdigkeitsanalysen automatisiert vornehmen → strengere Pflichten (aktuell bis Dezember 2027 aufgeschoben, s.u.)
// Stand · 12.05.2026

Risikoklassifizierung mit aktuellem EU-Guidance-Dokument zur KI-VO abgleichen (ec.europa.eu/digital-strategy). Klassifizierung ändert sich potenziell mit Leitlinien-Updates.

Das Inventar ist keine einmalige Aufgabe. Jedes neue Tool — auch KI-Plugins in bestehender Software — gehört eingetragen, bevor es produktiv genutzt wird.

Digital Omnibus: Was verschoben wurde — und was nicht

Hier herrscht die meiste Verwirrung in Maklerkreisen.

Der Digital Omnibus — ein EU-Legislativpaket, vorgeschlagen November 2025, Trilog-Verhandlungen ab April 2026 — verschiebt die Fristen für Hochrisiko-KI-Systeme nach Anhang III KI-VO auf Dezember 2027.

// Stand · 12.05.2026

Finaler Omnibus-Text noch nicht verabschiedet; Trilog-Status und Plenarabstimmung bitte prüfen.

Was das für ein normales Makler-Büro bedeutet: Kaum etwas. Hochrisiko-KI nach Anhang III sind Systeme zur Kreditwürdigkeitsprüfung, biometrischen Einstufung oder automatisierten Personalentscheidung. Kein Makler-Büro betreibt solche Systeme eigenständig.

Was vom Omnibus unberührt bleibt:

  • Art. 4 (KI-Kompetenz) — gilt seit Februar 2025
  • Art. 50 (Chatbot-Transparenz) — tritt August 2026 in Kraft, kein Aufschub
  • Art. 5 (Verbote) — gilt seit Februar 2025 (Social Scoring, Echtzeit-Gesichtserkennung im öffentlichen Raum)

Kurzversion: Der Omnibus hat Großunternehmen mit Hochrisiko-KI entlastet. Dir als Einzelunternehmer oder Kleinstbüro hat er wenig gebracht — deine Pflichten aus Art. 4 und Art. 50 laufen weiterhin nach Plan.

6 Schritte bis August 2026

// Praxis

Zeitaufwand gesamt: ca. 4–6 Stunden einmalig, danach laufende Pflege

  1. KI-Inventar erstellen (1–2 Std.)
    Alle genutzten KI-Tools erfassen: ChatGPT, Copilot, Makler-Software mit KI-Funktionen, Website-Chatbots. Tabelle mit 5 Spalten anlegen (s.o.).
  2. Risikoklasse prüfen (30 Min.)
    Für jedes Tool: Verarbeitet es Kundendaten direkt? Interagiert es mit Kunden in Echtzeit? Wenn ja → Begrenztes Risiko → Art. 50 relevant.
  3. KI-Leitlinie schreiben (1 Std.)
    Eine Seite reicht: Erlaubte Tools, erlaubte Zwecke, Verbote (z.B. keine vollautomatischen Beratungsaussagen ohne menschliche Freigabe), Verantwortliche, Eskalationspfad bei KI-Fehlern.
  4. Schulungsregister anlegen (30 Min.)
    Für jeden Mitarbeiter — rückwirkend ab Februar 2025 erfassen soweit möglich: wann, welches System, Dauer, Themen. Für neue Mitarbeiter und neue Tools: Eintrag vor Produktiveinsatz.
  5. Chatbot-Kennzeichnung prüfen und nachrüsten (30 Min.)
    Wenn ein Chatbot auf der Website oder in WhatsApp läuft: Ist der KI-Charakter beim allerersten Kundenkontakt erkennbar? Wenn nein — Hinweistext ergänzen, vor dem 2. August 2026.
  6. AVV-Status für KI-Anbieter prüfen (30 Min.)
    Schritte 1–5 ersetzen keinen Auftragsverarbeitungsvertrag (DSGVO-Ebene). Prüfen, ob AVVs für ChatGPT, Copilot und weitere Dienste vorliegen. Details zur AVV-Anforderung und Anbieter-Vergleich (Claude vs. GPT-4o vs. Azure) → KI & DSGVO für Makler.
// Modul 01 · Chatbot

Art.-50-konform ab Tag 1.

Chatbot mit eingebauter KI-Kennzeichnung ab erstem Kundenkontakt, Eskalations-Logik für echte Beratungsanfragen, DSGVO-konformes Hosting auf deutschen Servern. 14 Tage, Festpreis, ab € 1.990.

Details zum Chatbot
// Disclaimer

Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Bei spezifischen Fragen zu deinem Setup sprich mit deinem Datenschutzbeauftragten oder einem IT-Recht-Anwalt. Besonders wichtig bei Tools mit Gesundheitsdaten oder automatisiertem Pricing.

Fazit

Art. 4 läuft seit 15 Monaten. Art. 50 tritt in 85 Tagen in Kraft. Die Mehrheit der Makler-Büros ist für beides nicht compliant — nicht aus bösem Willen, sondern weil die Kommunikation über die neuen Regeln fast ausschließlich an Großversicherer adressiert war.

Der Aufwand für ein 1–5-Personen-Büro beträgt einen halben Arbeitstag: Inventar anlegen, Leitlinie schreiben, Schulungsregister starten, Chatbot-Hinweis prüfen.

Wenn du auf deiner Website einen Chatbot betreibst oder planst: Das technische Setup — DSGVO-konformes Hosting auf deutschen Servern (Hetzner), Art.-50-konforme Kennzeichnung ab dem ersten Kundenkontakt, Eskalations-Logik für echte Beratungsanfragen — lässt sich vorkonfiguriert deployen. → Chatbot-Modul bei Sehlmeyer Digital — 14-Tage-Sprint, Festpreis, Claude-API EU-Region.

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